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Zwischen Struktur und Gestaltung

„Kurze Texte - Gedanken über Gestaltung, Technik und Klarheit...”


Gestaltung entsteht im Gespräch, nicht im Briefing

Gestaltungspraxis

Ich habe unzählige Briefings gelesen. Lange, kurze, strukturierte, chaotische. Manche waren präzise, andere voller Wünsche, die sich gegenseitig widersprachen. Und fast alle hatten eines gemeinsam: Sie waren nur ein Ausgangspunkt.

Seit 1995 arbeite ich mit Menschen an Websites. Und je länger ich das tue, desto klarer wird mir: Gestaltung entsteht nicht aus dem, was aufgeschrieben wurde, sondern aus dem, was im Gespräch sichtbar wird.

Briefings sind Momentaufnahmen

Ein Briefing beschreibt oft einen Zustand. Vorstellungen, Ziele, Erwartungen zu einem bestimmten Zeitpunkt. Das ist hilfreich, aber begrenzt. Viele Dinge sind darin noch ungeordnet. Manche werden bewusst ausgelassen, andere sind noch nicht denkbar.

Ich habe gelernt, Briefings ernst zu nehmen, aber nicht wörtlich. Sie zeigen, wo jemand steht, nicht zwingend, wo er hinmöchte. Das klärt sich selten auf dem Papier.

Zwischen den Worten

In Gesprächen höre ich auf das, was nicht sofort formuliert wird. Auf Pausen. Auf Widersprüche. Auf Sätze wie: Eigentlich brauchen wir das gar nicht. Oder: So haben wir das noch nie gesehen.

Oft liegt genau dort der Kern. Nicht in der Funktionsliste, sondern in der Unsicherheit dahinter. Gestaltung beginnt für mich an dieser Stelle. Nicht mit Lösungen, sondern mit Einordnung.

Wenn sich Haltung zeigt

Manchmal verändert sich ein Projekt nicht, weil etwas Neues hinzukommt, sondern weil etwas wegfällt. Ein Menüpunkt. Eine Erwartung. Eine Idee, die mehr belastet als trägt.

Diese Momente entstehen nicht durch Vorgaben, sondern durch Vertrauen. Wenn jemand merkt, dass hier nicht einfach umgesetzt, sondern mitgedacht wird. Dann rutscht auch mir gelegentlich ein „du“ heraus. Nicht aus Nähe, sondern weil Klarheit persönlicher ist als jede formale Distanz.

Gestaltung ist kein Übersetzungsjob

Ich verstehe meine Arbeit nicht als Übertragung von Wünschen in Gestaltung. Das wäre zu kurz gedacht. Gestaltung heißt für mich, gemeinsam herauszufinden, was sinnvoll ist. Und was nicht.

Das braucht Zeit. Und Aufmerksamkeit. Nicht jedes Projekt will schnell sein. Aber jedes gute Projekt braucht Ehrlichkeit.

Erfahrung ersetzt keine Offenheit

Auch nach all den Jahren gehe ich nicht mit fertigen Antworten in Gespräche. Erfahrung hilft beim Einordnen, nicht beim Abkürzen. Jede Website bringt ihren eigenen Kontext mit. Jede Zusammenarbeit ihre eigene Dynamik.

Gestaltung entsteht dort, wo man bereit ist zuzuhören. Nicht nur am Anfang, sondern während des gesamten Prozesses.

Ein Briefing kann viel klären. Ein Gespräch klärt mehr.