Lesen ist eine körperliche Erfahrung
Lesen findet nicht nur im Kopf statt. Augen bewegen sich, Zeilen werden verfolgt, Pausen entstehen. Typografie greift direkt in diesen Prozess ein. Sie kann unterstützen oder behindern.
Wer Texte gestaltet, gestaltet damit auch Aufmerksamkeit und Konzentration.
Zeilenlänge und Rhythmus
Zu lange Zeilen ermüden. Zu kurze unterbrechen den Lesefluss. Lesbarkeit entsteht dort, wo ein natürlicher Rhythmus entsteht und das Auge ohne Anstrengung von Zeile zu Zeile findet.
Dieser Rhythmus ist kein fixer Wert, sondern abhängig von Schrift, Größe und Medium.
Schrift ist keine Dekoration
Schriften tragen Charakter, aber auch Verantwortung. Eine gut gewählte Schrift fällt nicht auf. Sie ermöglicht Lesen, ohne sich selbst in den Vordergrund zu stellen.
Je stärker eine Schrift sich ausdrückt, desto bewusster muss ihr Einsatz sein.
Abstände schaffen Ruhe
Zeilenabstand, Absatzabstand und Weißraum sind keine leeren Flächen. Sie strukturieren Inhalte und geben dem Text Raum zum Atmen.
Zu wenig Abstand erzeugt Enge. Zu viel Abstand zerstört Zusammenhang. Auch hier entscheidet Maß.
Lesbarkeit vor Stil
Typografischer Stil darf niemals wichtiger sein als Lesbarkeit. Effekte, extreme Schnitte oder verspielte Details mögen Aufmerksamkeit erzeugen, kosten aber oft Verständnis.
Gute Typografie stellt den Text über den Effekt.
Lesen ermöglichen
Am Ende ist Typografie ein Dienst am Inhalt. Sie entscheidet nicht darüber, was gesagt wird, aber darüber, ob es ankommt.
Lesen ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis vieler kleiner, bewusster Entscheidungen.

