Warum das Unsichtbare so wertvoll ist
Typografie wird oft nach Stil bewertet: Modern, klassisch, laut, minimal. In der Praxis ist das zweitrangig. Was zählt, ist Lesbarkeit. Und Lesbarkeit entsteht meist dort, wo nichts stört.
Wenn ein Text fließt, wenn man nicht stockt, wenn Absätze logisch wirken - dann hat Typografie ihren Job gemacht.
Die kleinen Entscheidungen
Es sind keine großen Effekte, die einen Text gut machen. Es sind die leisen Dinge: Zeilenlänge, Zeilenabstand, Absatzabstand, saubere Hierarchien. Dinge, die man nicht kommentiert, aber sofort spürt.
Viele Fehler entstehen, weil man diese Entscheidungen dem Zufall überlässt oder weil Layouts wichtiger genommen werden als Inhalte.
Schrift ist nur ein Teil
Schriftwahl wird gern zum Hauptthema. Dabei ist Schrift nur ein Baustein. Eine gute Schrift kann durch falsche Abstände zerstört werden. Und eine durchschnittliche Schrift kann durch sauberen Satz überraschend gut wirken.
Typografie ist nicht die Frage nach der schönsten Schrift, sondern nach dem stimmigsten Gesamtbild.
Lesen ist ein Dienst
Wer typografisch arbeitet, dient dem Text. Nicht sich selbst. Das klingt unspektakulär, ist aber die Essenz. Der Leser soll nicht über Gestaltung nachdenken müssen, sondern über Inhalt.
Wenn Typografie sich zurücknimmt, wirkt sie am stärksten.
Unsichtbarkeit ist Qualität
In manchen Bereichen gilt: Was sichtbar ist, ist gut. In der Typografie ist es oft umgekehrt. Sichtbare Typografie ist häufig ein Zeichen von Unruhe.
Gute Typografie ist leise. Sie schafft Ordnung, bevor man sie benennen kann.

