Blocksatz hat einen guten Ruf. Er wirkt ruhig, aufgeräumt und abgeschlossen. Die saubere Kante suggeriert Ordnung und Kontrolle. Viele Texte sehen auf den ersten Blick „fertig“ aus, sobald sie im Blocksatz stehen. Genau darin liegt das Problem.
Blocksatz erzeugt visuelle Ordnung, aber nicht zwangsläufig Lesbarkeit. Um beide Ränder sauber auszurichten, muss das System die Wortabstände variieren. Je schmaler die Spalte, desto stärker wird dieser Effekt. Was dabei entsteht, sind ungleichmäßige Zwischenräume, die das Auge unbewusst irritieren.
Beim Lesen springt das Auge nicht von Wort zu Wort, sondern bewegt sich in rhythmischen Mustern über die Zeile. Unruhige Abstände stören diesen Rhythmus. Der Text wirkt anstrengender, obwohl Schriftart und Schriftgröße korrekt gewählt sind. Der Leser merkt selten, warum das Lesen mühsam wird. Er merkt nur, dass es Mühe kostet.
Linksbündiger Flattersatz wird oft unterschätzt, weil er weniger „perfekt“ aussieht. Tatsächlich erlaubt er gleichmäßigere Wortabstände und einen ruhigeren Lesefluss. Die unregelmäßige rechte Kante ist kein Mangel, sondern ein Nebenprodukt besserer Lesbarkeit.
Blocksatz kann funktionieren, wenn ausreichend Platz vorhanden ist, wenn Silbentrennung sauber eingestellt ist und wenn Zeilenlänge und Schriftgröße harmonieren. Ohne diese Voraussetzungen wird Blocksatz schnell zur reinen Optikentscheidung.
Typografische Qualität entsteht nicht an der Kante, sondern im Fluss. Ordnung ist kein Selbstzweck. Sie muss dem Lesen dienen.

