Was mit Laufweite gemeint ist
Laufweite beschreibt den gleichmäßigen Abstand zwischen allen Buchstaben eines Textes. Sie wirkt auf das gesamte Wortbild, nicht auf einzelne Buchstabenpaare.
Damit unterscheidet sie sich klar vom Kerning, das gezielt einzelne Abstände korrigiert.
Warum zu enge Texte anstrengend sind
Zu geringe Laufweite lässt Buchstaben optisch zusammenkleben. Das Auge muss stärker trennen und verlangsamt.
Gerade bei längeren Texten entsteht so schneller Ermüdung, auch wenn man nicht genau sagen kann, warum.
Der typische Fehler im Web
Im Web wird Laufweite häufig genutzt, um Text „moderner“ wirken zu lassen. Überschriften werden zusammengedrückt, Fließtexte leicht geöffnet.
Beides funktioniert nur in sehr engen Grenzen. Jenseits davon verliert der Text seine innere Ruhe.
Große Schrift braucht mehr Luft
Je größer die Schrift, desto mehr Laufweite verträgt sie. Das ist kein Stil, sondern Optik.
Große Buchstaben wirken dichter, auch wenn sie mathematisch korrekt gesetzt sind.
Kleine Schrift braucht Zurückhaltung
Bei kleinen Schriftgrößen kann zusätzliche Laufweite schnell zerstörerisch wirken. Wörter zerfallen, der Lesefluss reißt ab.
Hier entscheidet oft ein Zehntel mehr oder weniger.
Laufweite und Haltung
Laufweite ist kein Effektregler. Sie ist Feinarbeit.
Wenn ich an der Laufweite drehe, frage ich mich zuerst: Was versucht der Text mir zu sagen. Nicht: Wie wirkt er schneller fertig.
Persönliche Erfahrung
Ich fasse Laufweite zuletzt an. Wenn überhaupt.
In vielen Fällen liegt das Problem nicht im Abstand, sondern in der Schriftwahl oder im Zeilenmaß.

