PAUSE

MatBlog | Matlik-Design Konstanz

Zwischen Struktur und Gestaltung

„Kurze Texte - Gedanken über Gestaltung, Technik und Klarheit...”


Vom „Anzeiger“ zum InselMagazin

Haltung & Denken
Eine Wandlung – nicht nur von Print zu Online

Der Weg vom „Der Anzeiger“ zum InselMagazin war kein technischer Relaunch. Er war eine innere Entscheidung, die sich schließlich in einer neuen Form von Öffentlichkeit manifestierte. Was äußerlich wie ein Medienwechsel wirkt, ist in Wahrheit ein Prozess der Klärung: über Haltung, Verantwortung und Unabhängigkeit.

Der Anzeiger: Print als Rahmen

„Der Anzeiger“ entstand in einer Zeit, in der Printmedien auf Teneriffa eine selbstverständliche Rolle spielten. Gedruckte Informationen, Nähe zur Insel, praktische Inhalte – eingebettet in ein klassisches Anzeigenmodell. Dieses Modell ermöglichte Sichtbarkeit, brachte aber auch klare Grenzen mit sich. Redaktionelle Arbeit fand stets innerhalb wirtschaftlicher Abhängigkeiten statt. Inhalte mussten tragfähig sein, nicht nur inhaltlich, sondern auch finanziell.

Diese Struktur war kein Makel, sondern Zeitzeugnis. Gleichzeitig wuchs mit den Jahren das Bewusstsein dafür, dass bestimmte Themen, Zwischentöne und kritische Perspektiven in diesem Rahmen nur eingeschränkt Platz fanden.

Der innere Wandel

Der eigentliche Wandel begann lange vor dem Abschied vom Print. Er begann mit Fragen: Welche Geschichten bleiben unerzählt? Welche Inhalte entstehen aus Überzeugung – und welche aus Notwendigkeit? Mit zunehmender Erfahrung verlagerte sich der Fokus von der reinen Information hin zur Einordnung. Geschichte, Gesellschaft, Natur und Zusammenhänge rückten stärker in den Mittelpunkt.

Damit veränderte sich auch das Verständnis von Redaktion: Weg vom Dienstleister für Anzeigenkunden, hin zu einer eigenständigen, verantwortungsvollen Stimme.

2020: Die Entscheidung

Im Jahr 2020 fiel die endgültige Entscheidung, diesen inneren Wandel sichtbar zu machen. Das InselMagazin ging online. Nicht als Ergänzung zum Print, sondern als bewusster Schnitt. Print wurde losgelassen, Anzeigenabhängigkeit beendet. Inhalte sollten fortan frei entstehen – ohne Rücksicht auf Werbekunden, ohne strukturellen Druck.

Der Schritt ins Digitale war dabei Mittel, nicht Zweck. Online bot Raum für Tiefe, für längere Texte, für Themen, die nicht in Spalten oder Erscheinungstermine gepresst werden müssen. Es ging um redaktionelle Freiheit, nicht um Reichweite um jeden Preis.

Soziale Medien als Zeitmarker

Auch der Wandel in den sozialen Medien folgte dieser Logik. Die bestehenden Facebook-Seiten des „Anzeigers“ mit rund 5.000 Followern wurden umbenannt. Nicht, um Reichweite zu maximieren, sondern um den Übergang transparent zu machen. Der alte Name verschwand, der neue trat an seine Stelle.

Im Dezember 2020 wurde zusätzlich die Facebook-Seite „Teneriffa Inselmagazin“ angelegt. Sie blieb bewusst nahezu ungenutzt. Kein aktiver Kanal, kein Marketinginstrument. Ihr Erstellungsdatum markiert bis heute einen Wendepunkt. Eine Art stilles Dokument der Entscheidung, das Alte abzuschließen und das Neue ohne äußeren Druck wachsen zu lassen.

Das InselMagazin heute

Das InselMagazin versteht sich nicht als digitales Anzeigenblatt. Es ist ein redaktionelles Projekt mit klarer Haltung. Inhalte entstehen aus Beobachtung, Recherche und persönlicher Nähe zur Insel. Geschichte, Gesellschaft, Natur und Geschichten haben ihren eigenen Rhythmus. Es gibt keine Verpflichtung zur Vermarktung, keine versteckten Interessen.

Der Wechsel von Print zu Online war damit vor allem ein Wechsel der Verantwortung: weg von wirtschaftlichen Abhängigkeiten, hin zu inhaltlicher Klarheit. Das InselMagazin ist das Ergebnis dieses Weges – nicht als Bruch mit der Vergangenheit, sondern als konsequente Weiterentwicklung dessen, was bereits im „Anzeiger“ angelegt war.

Der Wandel ist abgeschlossen und zugleich fortlaufend. Nicht als Strategie, sondern als Haltung.