Eine alte Gestaltungsregel lautet sinngemäß: So wenig Schriftarten wie möglich, so viele wie nötig. Gemeint ist damit nicht Verzicht, sondern Konzentration. Jede Schrift bringt ihren eigenen Rhythmus, ihre eigene Stimme mit. Werden mehrere davon kombiniert, beginnen sie miteinander zu konkurrieren. Der Text wird unruhig, die Lesbarkeit leidet, die Aufmerksamkeit wandert von Inhalt zu Form.
Oft wird übersehen, dass eine einzige Schriftfamilie bereits ein vollständiges Werkzeug ist. Regular, Kursiv, Fett, unterschiedliche Schnitte und Laufweiten erlauben eine klare Hierarchie, ohne den Charakter zu brechen. Überschriften, Fließtext, Hervorhebungen lassen sich damit sauber trennen, ohne visuelle Brüche zu erzeugen.
Wenn zwei Schriften eingesetzt werden, dann aus funktionalem Grund. Etwa eine serifenlose Schrift für Orientierung und eine Serifenschrift für längere Texte. Entscheidend ist nicht die Anzahl, sondern die Rolle, die eine Schrift übernimmt.
Gute Typografie drängt sich nicht in den Vordergrund. Sie fällt nicht auf, weil sie funktioniert. Sie schafft Ruhe, Struktur und Raum für das, worum es eigentlich geht: den Inhalt.

